Graf Hardimund (grafhardimund) wrote,
Graf Hardimund
grafhardimund

Recht und Gerechtigkeit

Weiter ging's am Sonntag beim Orkengold. Die Helden standen vor Gericht und übten Gerechtigkeit. Aus Spielersicht: ein Prozess als absehbares rollenspielerisches Frusterlebnis, aber danach als Entschädigung ein vom Spielleiter schön vorbereiteter Einbruch bei unserem aktuellen Lieblingsfeind.

Wie erwartet steckte Akademieleiter Puschinske hinter unserer Festnahme in Lowangen. Wegen des Todes seiner Magierin Ariana sollte uns ganz offen der Prozess gemacht werden. Die Gerichtsverhandlung war eine Farce, wie befürchtet. Nein, eigentlich noch schlimmer als befürchtet. Schwertgeselle Babu hatte sich, um den Unsinn nicht ertragen zu müssen, gleich auf dem Weg zur Verhandlung  von den Wächtern k.o. schlagen lassen. Gerichtsverhandlungen im Rollenspiel sind selten ein Spaßbringer, vor allem, wenn die Spieler den berechtigten Verdacht haben, dass das Ergebnis schon feststeht. Das einzige, was ich unserem Spielleiter zugute halten möchte, ist, dass er die Sache nicht unnötig in die Länge zog.

Drei Lowanger Magistrate bildeten das Richterkollegium. Es gab sogar einen Staatsanwalt, allerdings keinen Verteidiger. Im Publikum hatte Spektabilität Puschinske einen Ehrenplatz. Demonstrativ an seiner Seite saß der Großmeister der Grauen Stäbe, eigentlich nicht unbedingt ein Freund der Lowanger Schwarzmagier. Das sollte wohl unsere Aussichtslosigkeit unterstreichen. Erst nach einiger Zeit bemerkten wir, dass auch der Flüsterer, nunmehr als respektabler Lowanger Bürger, bei der Magierprominenz saß. Damit hatten wir nicht gerechnet. Von der Akademie der Verformungen, in deren Auftrag wir ja unterwegs waren, ließ sich niemand blicken.

Ziemlich lustlos begann der Staatsanwalt seinen Sermon: Wir wurden beschuldigt, Magierin Ariana ermordet zu haben. Zeuge der Anklage war überraschender Weise der Seidenschlüpfer-Magier, der wohl aus Sternfeld nach Lowangen geflogen sein muss. (Nein, das ist nicht absurd, das ist durchaus wahrscheinlich.) Dann durften wir was sagen, aber drauf eingehen wollte das Gericht nicht. Mattlock spielen, war also nicht. Ich hab es versucht, zum Beispiel indem ich den Zeugen der Anklage, den Schlüpfer-Magier, lächerlich machte. Aber es passte nicht so recht zu Grims Charakterprofil. Und außerdem sollte es nichts bringen.
 
Vollends lächerlich wurde es dann, als eine zweite Anklage aus dem Hut gezaubert wurde: Wir sollten mit den Orks konspiriert haben, um ihnen die Stadt auszuliefern.  Belastungszeuge diesmal: Ein gefangener, magisch ausgehorchter Ork. Direkt aussagen konnte der nicht vor Gericht, da man ihn bereits beseitigt hätte. Also verließ sich das Gericht auf die Aussage des Befragers - Puschinske. Eigentlich hätten hier Richter und Zuschauer ob dieser Zumutung schreiend den Saal verlassen müssen. Taten sie aber nicht. Das Gericht zog sich zur Beratung zurück und wir wurden in unsere Zellen zurückgebracht.

War diese debile Intrige so im Buch vorgegeben, weil ein Prozess im Abenteuer vorgesehen ist? Der "Unfall" mit Ariana war ja auf unserem Mist gewachsen und kam für den Spielleiter völlig überraschend. Hätte sich unser SL jedenfalls auf die Causa Ariana beschränkt, wäre die Gerichtsnummer um einiges glaubwürdiger gewesen. Denn da hätte man uns wirklich mit gutem Grund bei den Eiern kriegen können. Mir persönlich fehlten auch ein paar Feinheiten aus aventurischer und/oder historischer Sicht: etwa die Berücksichtigung eventueller standesrechtlicher Extrawürste für den Magier und den Adeligen, gegenüber Jägersmann und Barbar. Das hätte zumindest mehr Geschmack an die Sache gebracht. Andererseits: ein wirklicher Gewinn fürs Spiel ist so ein Prozess wohl nur, wenn die Spieler Einfluss auf den Ausgang des Verfahrens haben, durch Argumente und/oder Würfelei. Von daher Schwamm drüber und lieber schnell weiter zum nächsten Punkt.

Denn der Prozess hatte im Abenteuer anscheinend vor allem den Sinn, uns die Alternativlosgkeit der Lösung aufzuzeigen, die uns in der nächsten Kerkernacht angeboten wurde: Ein freundlicher Phexgeweihter kam wie ein Dieb in der Nacht und lotste uns aus dem Kerker. Organisiert hatte das die stellvertretende Spektabilität der Lowanger Verwandler, Mayla Mondhaar (bekannt aus dem DSA-Roman "Das Greifenopfer"). Er half uns dann auch noch, den Flüsterer zu identifizieren. Der ist nämlich in Lowangen ein angsehener Magier - und offenbar tatsächlich in der Lage, mit verhüllter Aura einen mächtigen magischen Gegenstand zu verhehlen. Das-was-alle-suchen ist also wahrscheinlich doch in der Stadt. Der Phexgeweihte half uns gleich noch, einen Einbruch beim Flüsterer auszubaldowern. Den Preis für seine Hilfe akzeptierten wir gerne: Er darf Das-was-alle-suchen mit uns analysieren - wenn wir es haben.

Und damit kamen wir zum besten Teil des Spieltags: In der Villa des Flüsterers konnten wir einen leckeren Einbruch durchziehen. Dazu hatte der Spielleiter die Villa Raum für Raum zum nach und nach Auslegen aus Papier ausgeschnibbelt, was ein schönes taktisches Spiel erlaubte. Nachdem die Wächter ausgeschaltet waren und kein Anlass mehr für übertriebene Heimlichkeit bestand, ging's dann mehr in die Stimmungs- und Charakterspielrichtung: Wir ließen unseren Rachegelüsten freien Lauf und vandalisierten in Ober- und Erdgeschoss. Doch gerade als wir in den Keller vordringen wollten, wo wir das Alchimielabor mit magischen Schätzen und hoffentlich Das-was-alle-Suchen erwarten, bemerkten wir, dass ein Bewohner des Hauses unbemerkt entkommen war. Wieviel Zeit wird er uns für den Keller lassen? Wir werden es beim nächsten Mal sehen?
Tags: orkengold, rsp
Subscribe
Comments for this post were disabled by the author