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Graf Hardimund
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In der Hitze von Gondor

Das Traditionelle Sommerliche Zweigruppenabenteuer (tm) hat mich dieses Mal nur bedingt glücklich gemacht. Dabei haben sich David und Thorsten wieder einen wendungsreichen Plot und  jede Menge interessante Charaktere mit reichlich Intrigenpotential ausgedacht, die von den Spielern (darunter fast die komplette Schranzenrunde und - erstmals dabei - Flockis Herrchen) sehr unterhaltsam umgesetzt wurden. Mein Problem bei der Sache: Ausgerechnet an den interessantesten Stellen gab es für meinen Charakter wenig zu tun - zumindest soweit es erkennbare Auswirkungen auf den Ausgang der Geschichte gehabt hätte.

Freitagabend: Nordmensch Vidumer warb für seinen Bruder um eine gondorianische Prinzessin aus dem Haus vom Weißen Turm. OK, da konnten mein Mitbarbar und ich erstmal rollenspielerisch schön auf die Kacke hauen. Danach zog sich der NPC-Fürst zur Beratung zurück. Derweil gab's Gelegenheit zum Kennenlernen der numenorischen Spieler-Herrenmenschen. Prinzipiell eine schöne Sache, ich versuchte auch noch, hier ein bisschen Gutwetter für meine Mission zu machen. Doch leider ahnten oder wussten alle Beteiligten, dass das Ergebnis schon feststand. Mein kleiner Intrigenplot für den Abend war zu hundert Prozent gescriptet: Du hast wem einen Ring aus den Hochzeitsgeschenken versprochen und du gibst ihm den. Ansonsten hatte ich nichts zu wollen und nichst anzubieten. Alles in allem vom ROLLENspiel her eine feine Sache, aber als RollenSPIEL für mich eher mager. Zwar ist der erste Abend vor allem zum Einstimmen und Kennenlernen da, aber ein bisschen mehr Bewegungsfreiheit, z.B. bei den Intrigen um den Ring, hätte dem Abenteuer gut getan. Der weitere Plot hätte auch funktioniert, ohne jeden Schritt vorher festzulegen. Witzigerweise hat ein Spieler sogar von sich aus eine Aktion unternommen, die ihm die Spielleitung eigentlich für den zweiten Spieltag ins Charakterkonzept schreiben wollte.

Am Samstagmittag ging's dann weiter: Die numenorische Prinzessin musste in die Wilden Lande geleitet werden. Während ich gemeinsam mit der Pro-Hochzeits-Partei für den sicheren Transport sorgte, spannen die Gegner-Gruppe ihre Intrigen. Die Prinzessin mit zwölf Wagen voller Schuhe, Kleider und sprechender Vögel und ihren Launen und Ansprüchen machte die Reise unterhaltsam, Meuchelattacken einer dritten Partei mit vergifteten Frettchen und einem sich in Rauch auflösenden Attentäter ebenso. Ausgebremst wurde der Spielfluss allerdings durch den diesmal immensen Besprechungsbedarf zwischen den Spielleitern und durch die mörderische Hitze, die Gondor an diesem Wochenende im Griff hatte.

Bei der Falle, die uns dann die andere Gruppe stellte, hätten wir es vielleicht in der Hand gehabt, sie scheitern zu lassen. Wenn wir unser Lager besser abgesichert hätten - und vor allem wenn wir es nicht in die Hand von NPC gelegt hätten... Hatten wir aber nicht. Also wurde die Prinzessin entführt, während wir bei Thane Beowulf, mit dem wir über die Querung einer Furt verhandeln mussten, soffen, Schweine warfen und dessen Töchter beschliefen.

Die Verfolgung führte uns zum Ort des Grande Finale. Unterwegs blieb ein Spielercharakter auf der Strecke, zudem wurde unsere NPC-Reiterei arg dezimiert. Wir hatten uns einem Trupp Haradrim zum Kampf gestellt, was die Spielleiter wohl nicht einkalkuliert hatten. Auf dem Berg des Auges trafen wir auf die andere Gruppe, samt Prinzessin, sowie Tolkien-VIP Prinz Castamir, der erstmal unsere verbliebenen gondorianischen Krieger umdrehte. Da die anderen nicht nur in der Überzahl waren, sondern auch den Über-NPC auf ihrer Seite hatten, war für meiner Hochzeits-Mission nichts mehr zu erreichen. Zu der eigentlich sehr spannenden Frage, was geschieht mit dem Ring und wer hat ihn überhaupt, konnte ich leider nichts beitragen. Also schnell einen heldenhaften Tod im Zweikampf gesucht, damit das Elend ein Ende hatte. Das Finale, üblicherweise ein großes Chaos, bei dem jeder versucht, endgültig seine Schäflein ins Trockene zu bringen, fiel diesmal auch insgesamt eher zahm aus. Die Hochzeitsgegner hatten die Prinzessin, den Ring hatte unbemerkt der harmloseste Charakter eingesackt. Das kam aber erst bei der abschließenden Auflösung raus.

Auch wenn es wieder schön war, an die ganz großen Zwei-Runden-Erlebnisse mit Pinochet oder auf der Titanic kam das Abenteuer diesmal für mich nicht ran. Dabei sorgten das Thema Gondor und die minderen Menschen kurz vor dem Bürgerkrieg und die Handlung um den Ring eigentlich für eine spannende Geschichte, und die einzelnen Charaktere passten gut da rein. Es fehlte für meinen Geschmack allerdings an Flexibilität - und an ein bisschen Abkühlung.
Tags: zwei-gruppen-abenteuer
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