Graf Hardimund (grafhardimund) wrote,
Graf Hardimund
grafhardimund

Nekomo zweifelt am rechten Weg

Lobet Praios! Die DSA 5 Quanionsqueste erreicht ihre erste Zwischenstation und befindet sich möglicherweise schon auf dem Holzweg (ein Bericht vom ersten und zweiten Spieltag).

Als Hochwürden Lumin Ehrwald die Gefährten in Elenvina auf die Quanionsqueste schickte, nannte er ihnen als erstes Ziel einen alten Geweihten: Vater Jesper soll sich in einem Ort namens Schwarzenberg in (Schwarz-?)Tobrien befinden und uns mehr zu sagen wissen. Und da wir nun schon einmal Richtung Osten reisten, sollten wir unterwegs noch an der Burg Trollpforz im Eisenwald Station machen und dort seiner ehemaligen Schülerin Roana von Nilsitz ein Päckchen übergeben.

Der Arm des Herrn braucht kein Hirn
Machen wir doch gerne, aber noch bevor es dazu kommt, werden wir von Praios und dem Abenteuer zum ersten Mal auf die Probe gestellt. Und siehe: Es erweist sich, dass der weltliche Arm des Herrn schneller zuschlägt, als seine Zunge redet, sein Auge sieht oder sein Hirn denkt. In einem Dorf unweit der Burg werden wir Zeuge, wie ein Trupp Bewaffneter eine öffentliche Bestrafung stört. Anführerin der Aufrührer ist eine Kriegerin mittleren Alters. Die strafende Obrigkeit repräsentieren ein alter Adeliger und eine gestrenge Praiosgeweihte. Die Dorfbevölkerung scheint zwischen beiden Parteien gespalten.

In dieser etwas unübersichtlichen Situation tut Sonnenritter Praiofold, was der Herr ihm eingibt, ohne auf die Auslegung durch unseren Geweihten Praiowin zu warten: Er reitet über die Bauern hinweg, über Murrende und Getreue, über Greis und Kind, und züchtigt die Angreifer. Diese entkommen mit dem Delinquenten, müssen aber vier Verwundete zurücklassen. Praiowin, der Magier Devon Bodiak und der Stammeskrieger Nekomo sind in dieser Auseinandersetzung eher Statisten. (Ihr dürft jetzt raten, welchen Charakter der Spieler Praiofolds in der Andergast-Kampagne spielt.)

Ist Praios der Gott der Verhältnismäßigkeit?
Aus traditioneller Sicht ist das Eingreifen des Sonnenritters sicher ganz im Sinne des Herrn Praios, wenn man auch auch über die Verhältnismäßigkeit der Mittel und die entstandene Kollateralschäden streiten könnte. Die Angelegenheit stellt sich allerdings, je länger wir verweilen, als immer vielschichtiger und pikanter heraus.

  • Der angegriffene Edelmann ist Baron Kalman von Nilsitz, der Vogt der Grafschaft Eisenwald. Die Angreiferin seine Tochter Roana, der wir ja eigentlich ein Paket zustellen wollen.

  • Es gab schon länger Streit zwischen beiden über die rechte Führung von Baronie und Vogtei, der vor ein paar Tagen eskaliert ist.

  • Die gestrenge Praiosgeweihte an der Seite des Barons ist erst unlängst angereist. Der bisherige Priester hat sich mit der Baronstochter in die Berge zurückgezogen und gilt als der Anstifter des Streits.

  • Das Dorf ist zerstritten. Immer mehr Dörfler und selbst Wachen des Barons schließen sich den Aufrührern an.

  • In der Baronie liegt vieles im Argen: Die Wirtschaft liegt darnieder; die Abgaben drücken; wegen der jüngsten Kriege fehlen Männer und Frauen im besten Alter; in der unfallträchtigen Mine schuften nun vor allem Kinder; die Strafen des Barons sind drakonisch.

  • Baronstochter Roana will mit kühnen Modernisierungen wie der Privatisierung der Mine oder der Einwanderung von Fachkräften gegensteuern. Allerdings scheint sie nicht nur von aufklärerischen Idealen, sondern auch von Unbeherrschtheit und Maßlosigkeit getrieben zu sein.

  • Der Baron hängt althergebrachten Nordmärker Rechtstraditionen an, die selbst aus Sicht der Praioskirche und mittelreichischen Juristen problematisch sind.

  • Das Paket von Lumin Ehrwald an seine Ex-Schülerin enthält juristische Munition für eine mögliche Absetzung des Barons.

  • In der Burg befindet sich ein Altar, der dem heiligen Quanion gewidmet ist, der auf seiner Suche hier gewesen sein soll. Die Familie von Nilsitz gilt als besonders von Praios gesegnet.

  • Wo der aufrührerische Geweihte unlängst bei seinem Auszug aus der Burg verwundet wurde, wachsen jetzt Quanionen, Praios heilige Blumen, die erst seit dem Beginn der Quanionsqueste in Aventurien bekannt sind.

  • In den Aufzeichnungen des Geweihten lässt sich sein Weg vom mystischen Lichtsucher zum empörten Sozialrevolutionär nachvollziehen. Er glaubt an einen Kampf zwischen Licht und Dunkelheit, der just an diesem Ort stattfinden soll.

  • Auch der Baron, der unter Schlafstörungen und Jähzorn leidet, träumt von eben demselben Kampf wie der Geweihte.

  • Die Inquisition der Praioskirche ist auch schon bestellt.

In Burg und Dorf übernimmt nun, wie Nekomo das auch von ihm erwartet, Lichtbringer Praiowin die Führung. Er treibt die Nachforschungen voran, vor allem was die Unterlagen des Geweihten betrifft, und versucht, zwischen Vater und Tochter sowie den beiden Praiosgeweihten zu vermitteln. Was immer geschieht, soll nach seinem Willen nach Recht und Gesetz und möglichst ohne Blutvergießen geschehen. Er sieht diese Querelen als Prüfung auf dem Weg zum Licht. Magier Devon zaubert verbotener- und erfolgloserweise einen Hellsichtzauber und macht sich vor allem im Dorf als Heiler nützlich (und ist am zweiten Spieltag verhindert). Ritter Praiofold torpediert die vorsichtige Gesprächsführung des Geweihten bisweilen mit ehrlichen und direkten Bemerkungen und hofft darauf, dass die Inquisition klare Verhältnisse schafft.

Streitschlichter statt Lichtsucher
Nekomo weiß nicht, was er von der Sache halten soll. Die Feinheiten von Adelsrechten und Dienstpflichten versteht er nicht, auch nicht, warum die zerstrittenen Parteien nicht mit einem Zweikampf oder SchamanenMagierGeweihtenduell klären, wer Recht hat, oder warum die Unzufriedenen nicht einfach weggehen und woanders ein neues Dorf gründen. Eigentlich hält er die Einmischung in diesen Konflikt für eine Ablenkung von der eigentlichen Queste, die er ganz konkret als „irgendwo hingehen und dann ist da das Licht“ und nicht übertragen als Prüfung in praiosgefälliger Moral, juristischer Spitzfindigkeit oder alveranischer Geduld versteht.

Aber Praiowin mag es besser wissen und so tut Nekomo seinen Teil, um ihn zu unterstützen: Er holt pikante Details aus der Dorfhexehebamme heraus und bearbeitet die Dörfler, dass sie nicht weiter irgendwelche Schandtaten des Barons oder seiner Tochter bei der jeweils anderen Seite verpetzen und so Öl ins Feuer gießen. Provokationen gibt es von beiden Seiten genug: Da werden Schriften verbrannt, Wachen gedemütigt und Dörfler eingekerkert. Fast scheint eine böse Macht gegen alle Vernunft und jede gute Absichtserklärung den Konflikt weiter anzuheizen.

Dämon statt Dilemma
Und das gibt Nekomo zu denken: Was, wenn hier wirklich das Böse am Werk ist; nicht im übertragenen Sinne, sondern ganz leibhaftig; kein moralisches Dilemma, sondern ein böser Geist. Steckt hinter den Visionen von Geweihtem und Baron vielleicht nicht Praios, sondern ein Dämon der Gegenseite, der hier Gut gegen Gut aufhetzen will? Hat die Tochter aus dem Krieg gegen die Heptarchen statt einer posttraumatischen Belastungsstörung eine Besessenheit mitgebracht? Haben die Zwerge Kinderarbeiter in der Miene zu tief gegraben?

Die Dinge eskalieren jedenfalls weiter und geben dem Fall noch einmal eine neue Wendung. Der Baron sieht rot und zaubert eine uneheliche Tochter aus dem Hut, die er anerkennen und anstelle Roanas zur Erbin machen will. Wenn wir eins und eins richtig zusammenzählen, handelt es sich dabei um die Tochter der HexeHebamme. Kurz darauf finden wir die Truhe, in der die Schriftstücke des Barons verwahrt werden, aufgebrochen und seine Geweihte sterbend vor. Magier und Hebamme bewahren sie einstweilen vor dem Schlimmsten und finden heraus, dass sie wohl mit dem exotischen Gift der Shurinsknolle außer Gefecht gesetzt wurde. Nun gehen also nicht nur die Unvernunft und ein böser Geist in Trollpfortz um, sondern auch noch ein ganz profaner Dieb und Giftmischer. Wer auch immer dahinter steckt, zur Handschrift der bekannten Aufrührer passt das eigentlich nicht.
Tags: dsa, quanionsqueste, rsp
Subscribe

Posts from This Journal “quanionsqueste” Tag

Comments for this post were disabled by the author